Dalmatiner, der sich über die Schnauze schleckt

Schmerzen beim Hund und wie Du sie erkennen kannst

Schmerzen sind zu allererst einmal ein Mechanismus der Natur, der ziemlich nützlich ist. Würden wir keine Schmerzen empfinden, würden wir uns immer wieder verletzen und könnten an diesen Verletzungen sogar sterben. Der Schmerz hilft uns also dabei, auf unseren Körper aufzupassen und einigermaßen unversehrt durch’s Leben zu gehen.

Um Schmerz wissenschaftlich zu definieren, kann man zum Beispiel die erweiterte IASP-Definition von 1986 zu Rate ziehen. Diese besagt, dass Schmerzen bei Tieren eine Widerwillen hervorrufende Empfindungserfahrung sind, die durch eine aktuelle oder potentielle Verletzung hervorgerufen wird. Diese Erfahrung löst schützende Reaktionen aus, z. B. motorische, wie z. B. eine Fluchtbewegung oder vegetative, z. B. einen Reflex. Zudem bewirkt sie erlerntes Meideverhalten und kann das Verhalten des Tieres, inklusive des Sozialverhaltens, verändern. Das klingt jetzt erstmal sehr komplex und kompliziert, wird dir aber bestimmt im Verlauf dieser Folge klarer werden, wenn wir darauf eingehen, wie man denn Schmerzen beim Hund erkennen kann. Übrigens geht man auch davon aus, dass ein Tier auch in dem Fall Schmerzen verspüren könnte, wenn es keine Möglichkeit hat, diese zu kommunizieren.
Soviel zur theoretischen Definition des Schmerzes.

Weiter geht es mit der Einteilung des Schmerzes in unterschiedliche Kategorien: Einerseits gibt es die Einteilung in die vier Kategorien Oberflächen-, Tiefen-, Viszeral- und neuropathischen Schmerz. Andererseits teilt man Schmerzen in akute und chronische Schmerzen ein.

Wie wir selbst bestimmt alle schon mal erfahren haben, schmerzt natürlich eine kleine Verletzung, wie z. B. der Stich einer Nadel, weniger als eine großflächigere Verletzung, wie wir sie z. B. bei einer Verbrennung erleben. Auch ist interessant, dass dieser Zusammenhang durch eine vorhandene Entzündung verändert werden kann, da diese die Schmerzschwelle herabsetzt. Das heißt, dass der Stich in eine entzündete Stelle viel schmerzhafter ist als in einen gesunden Körperteil.

Nun zurück zu den vier verschiedenen Schmerzarten:
Oberflächen-, Tiefen-, Viszeral- und neuropatischer Schmerz

Der Oberflächenschmerz wird auch Hautschmerz genannt. Hier in der Haut befinden sich die meisten Schmerzrezeptoren, was ja auch Sinn macht, da diese die Hülle um den Körper bildet und Verletzungen am besten dort schon wahrgenommen werden sollten.
Dieser Oberflächenschmerz kann als heller, stechender Schmerz wahrgenommen werden und löst dann fluchtartige Reflexe aus, z. B. wenn wir mit der Hand, ohne es zu merken, die heiße Herdplatte berühren. Dieser anfänglich helle, stechende Oberflächenschmerz wandelt sich dann häufig in einen diffusen, dumpfen Schmerz um, wie z. B. nach einer Impfung oder wenn wir uns geschnitten haben.

Wenn ein Schmerz von den tieferen Geweben, wie z. B. den Muskeln, Bändern und Gelenken, stammt, dann heißt dieser Tiefenschmerz. Er kann auch aus den Faszien, den Sehnen, Gelenkkapseln oder der Knochenhaut, dem sogenannten Periost, kommen. Dieser Schmerz wird als dumpf oder brennend wahrgenommen und klingt erst langsam ab. Er kann auch nicht so gut lokalisiert werden. Ein gutes Beispiel für einen Tiefenschmerz, auch somatischer Schmerz genannt, sind Kopfschmerzen oder auch Gelenkschmerzen, wie z. B. Knieschmerzen.

Wenn die Organe schmerzen, nennt man diesen Schmerz viszeral. In seinem dumpfen Charakter ähnelt er dem Tiefenschmerz. Dieser Schmerz kann unter anderem auch starke Reaktionen des Verdauungstraktes hervorrufen. Hier sind Beispiele die Magenschmerzen, aber auch Koliken oder Wehen.

Als letzte Schmerzart ist der neuropathische Schmerz zu nennen. Dieser liegt vor, wenn das Nervensystem selbst geschädigt ist. Das kann z. B. durch Amputationen (der sogenannte Phantomschmerz), Entzündungen des Nervensystems, mechanische Beschädigungen von Nerven oder durch Diabetes mellitus verursacht werden. Neuropathische Schmerzen zeigen sich als Sensibilitätsstörungen. Sie starten zumeist mit Missempfindungen an der betroffenen Stelle, wie z. B. einem Kribbeln oder anderen unangenehmen Missempfindungen. Diesen folgen dann im weiteren Verlauf eine übersteigerte Kälte- und Hitzeempfindlichkeit oder eine hohe Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Reizen. Im weiteren Verlauf kann es auch zu schmerzhaften Missempfindungen ohne äußere Einwirkungen kommen.

Nachdem wir nun die Schmerzarten nach ihrem Entstehungsort kennengelernt haben, kommt nun die Unterscheidung zwischen chronischem und akutem Schmerz.

Akuter Schmerz ist kurz andauernd und gut umschrieben, tritt also in einem abgrenzbaren Teil des Körpers auf. Meist ist die Ursache für diesen Schmerz bekannt und kann behandelt werden. Auch der Körper leitet, wenn der Schmerzsinn intakt ist, sofort Gegenmaßnahmen ein, wie z. B. die Auslösung von Reflexen oder eine Verhaltensänderung. Das Tier heult auf, winselt, hechelt, zittert oder lahmt plötzlich. Das ist z. B. bei Zahnschmerzen, äußeren Verletzungen oder Knochenbrüchen der Fall.

Wenn die Ursache dieses akuten Schmerzes nicht behoben wird und dieser länger als ungefähr drei Monate besteht, spricht man vom chronischen Schmerz.

Diese Schmerzart hat keine alarmierende Funktion mehr, sondern wird als eigenes Krankheitsbild angesehen. Meist sind die Ursachen für diesen Schmerz nicht mehr völlig zu erklären und manchmal auch nicht heilbar. Bei orthopädischen Problemen, wie Gelenks- und Rückenerkrankungen kann es häufig sein, dass sich der Schmerz in eine chronische Form entwickelt. Auch Nervenerkrankungen bringen das mit sich, wie z. B. ein Bandscheibenvorfall oder eine Amputation. Chronischer Schmerz kann sehr belastend sein und die Lebensqualität des Tieres stark schmälern.

Wie erkennst du nun also, ob dein Hund eventuell Schmerzen hat? Da gibt es eine Reihe von Anzeichen, die ich dir nun exemplarisch vorstellen möchte (eine umfassendere Aufzählung gibt es weiter unten auf der Seite als Liste für dich zum Ankreuzen):

Grundsätzlich hilft es, zu allererst einzustufen, ob du deinen Hund als eher wehleidig oder als tapfer empfindest, denn genau wie bei uns Menschen haben auch Tiere und Hunde unterschiedliche Schmerztoleranzen. Da mag der eine schon beim Pieksen einer Impfnadel aufschreien, während der andere mit verstauchter Pfote nur ganz leicht humpelt. Außerdem neigen Tiere dazu, Schmerzen nicht so offen zu zeigen, um Schwäche zu verbergen. Wir müssen also wahrscheinlich schon genau hinschauen und über einen längeren Zeitraum beobachten, um so etwas herauszufinden.

In der Kategorie der Verhaltensänderungen gibt es Indizien zu zum Beispiel:
– mehr oder weniger Bewegung als vorher
– Verträglichkeit mit Artgenossen
– Berührungsempfindlichkeit
– Stimmung deines Hundes

Die Kategorie Körperzustand und Gangbild beinhaltet zum Beispiel folgende Themen:
– Vitalzeichen
– Zittern
– Geruch
– Appetit
– Fell

Als letztes führe ich Dir exemplarisch Lautäußerungen auf, die der Hund im Schmerzfall von sich geben kann:
– Winseln
– Stöhnen
– Knurren und Brummen

Alles in allem können diese Punkte alle auf ein gesundheitliches Problem deines Hundes hinweisen, müssen aber nicht. Im Zweifel gehst Du bitte mit Deinem Hund zur Tierärztin oder zum Tierarzt und beschreibst diesem Deine Beobachtungen genau.

Eine Liste mit einer detaillierteren Auflistung von Indizien, kannst du hier ansehen:

Ich hoffe, dass du diese Liste akut für deinen Hund nicht brauchst und dass ihr beide fit und kerngesund seid.

Nochmal zusammenfassend:
Auch Hunde können Schmerzen empfinden, die im Grunde genommen ein guter Mechanismus sind, Verletzungen zu vermeiden. Wenn akuter Schmerz in chronischen Schmerz übergeht, ist der Grund jedoch keine Schutzfunktion mehr, sondern der Schmerz selbst wird zum Problem. Deshalb ist es gut, wenn du deinen Hund genau beobachten und lesen kannst, sodass du ihm in der akuten Phase hilfst und dem Schmerz gar nicht erst die Möglichkeit gibst, chronisch zu werden.

Quellen sind:
Schmerz, Schmerzevaluierung und Analgesie bei Reptilien, Vögeln und Fischen – Eine Literaturübersicht – von Nadine Kowalewski, Inaugural –Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, 2018
Buch „Schmerzen beim Hund – Erkennen, Behandeln, Lindern“ von Renate Albrecht und Michaela Ender, Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage 2015


Wenn du dir die Podcastfolge zu diesem Thema anhören möchtest, dann schau hier nach.

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