Deinem Hund etwas beibringen – 2. Interview mit der Hundephilosophin

Miriam trainiert mit ihrem Hund

Hier kannst du die Folge direkt auf der Website anhören

Lieblingszitate aus der Folge mit der Hundephilosophin

Ein Verstärker kann alles sein, was dem Hund wichtig ist – was der Hund gerne hat oder haben möchte. Ich würde es übersetzen als Bezahlung für ein Verhalten, das wir sehen wollen. Es gibt dazu in der Verhaltenswissenschaft den Satz: „Es gibt kein Verhalten, das nicht verstärkt worden ist.“

Miriam Arndt-Gabriel – die Hundephilosophin

Wir haben so häufig die Vorstellung, Verstärker sei etwas, was ich mache oder was ich in der Leckerchentasche habe. Und tatsächlich ist es komplexer, weil Verstärker eben überall in der Welt sind. Und das sind die Verstärker, mit denen ich konkurriere und die für viele Hunde tatsächlich auch wertvoll [als die, die ich anbieten kann] sind. Und auch die kann ich natürlich nutzen.

Miriam Arndt-Gabriel – die Hundephilosophin

Was du aus dem Interview mitnehmen kannst

  1. Dein Hund lernt immer – wir mögen zwischen Training und Alltag unterscheiden, unsere Hunde lernen aber kontinuierlich. Das hat natürlich Vor- und Nachteile, wie jede*r Hundehalter*in bestimmt am eigenen Leib erfahren hat. Sich dessen bewusst zu sein, ist aber ein wichtiger Schritt, um unser Zusammenleben anders gestalten zu können.
  2. Positive Verstärker sind Dinge, Aktionen oder Handlungen, die dazu führen, dass das Verhalten, das dein Hund machte, bevor der Verstärker kam, in Zukunft häufiger auftreten wird, weil sie für deinen Hund wichtig sind. (siehe das Zitat von Miriam oben)
    Z. B. hat dein Hund zu einer Laterne gezogen, um daran zu schnuppern. Das Verhalten ist „an der Leine ziehen“. Der Verstärker „an der Laterne schnuppern“, denn das wollte dein Hund. Wenn das also einmal funktioniert hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er es beim nächsten Mal wieder zeigen wird. Es folgt dabei dem sogenannten Matching Law. Dieses besagt, dass ein Verhalten in dem Maße wieder gezeigt wird, in dem es verstärkt wurde. Wenn dein Hund also oft Erfolg mit dem Leine ziehen hatte, wird er dies umso häufiger machen, um an sein Ziel zu kommen.
    Dieses Wissen können wir uns zu Nutze machen, wenn wir unserem Hund beibringen wollen, an lockerer Leine zu laufen und nicht mehr zu ziehen. Wir müssen also dafür sorgen, dass auf das Verhalten „an der Leine ziehen“ nicht mehr der Verstärker (wie auch immer der bei deinem Hund aussieht) folgt. Sondern dass er vorher ein anderes, für dich angemessenes Verhalten zeigt, bevor er z. B. an der Laterne schnuppert.
    Weitere Verstärker können Leckerchen, Spielzeug, Jagen, Hetzen, Bellen und viele weitere Aktivitäten sein, die dein Hund toll findet.
  3. Dein Hund entscheidet, was ein (guter) Verstärker ist. Wenn dein Hund gern einer Wildspur hinterher laufen möchte, werden deine Leckerchen den Wettbewerb als besserer Verstärker wahrscheinlich verlieren.
    Es gibt also die Möglichkeit, ein Ranking der Verstärker für deinen Hund aufzustellen. Das kann dir im Training sehr nützlich sein.
  4. Verstärker werden in primär und sekundär unterteilt. Primäre Verstärker sind die, die der Hund von Beginn an als belohnend empfindet. Sekundäre Verstärker muss er erst lernen, können dann aber genauso verstärkend für ein Verhalten sein. Z. B. das Geräusch des Kühlschranks, bevor es daraus die Lieblingsleberwurst gibt.
  5. Shaping oder Formen ist eine Trainingsmethode, bei der Hund durch Ausprobieren und Belohnt werden für Handlungen, die er macht, ein Verhalten lernt. Denn wie oben beschrieben, wird dein Hund das Verhalten häufiger zeigen, welches durch einen Verstärker belohnt wurde.
    Dabei kannst du dir vorstellen, dass du ein Bildhauer bist, der schon weiß, welche Figur er aus dem Stein hauen möchte. Diese Figur ist bei deinem Hund das Verhalten, das du ihm als Ziel beibringen möchtest. Mit deinem Meißel, also deinen kleinen Trainingsschritten, bringst du ihn langsam in die Richtung des Verhaltens, das du erzielen möchtest. Dabei werden die Verhaltensweisen zu Anfang häufig nicht dem Zielverhalten entsprechen, aber in die grobe Richtung gehen. Mit der Zeit belohnst du dann nur noch Verhaltensweisen, die näher am Zielverhalten dran sind, bis du zum Schluss nur noch das Verhalten belohnst, welches dein Hund zeigen soll.
    Aber Achtung: Es kann dabei passieren, dass ihr an einem Trainingsschritt stecken bleibt, indem dein Hund nur noch das eine Verhalten anbietet und nicht mehr ausprobiert. Es ist also wichtig zu wissen, dass es darum geht, grundsätzlich Verhalten zu belohnen, die in die richtige Richtung gehen, aber diese nicht zu lange zu belohnen. Sonst passiert das, was unter Punkt 2 als Matching Law beschrieben ist.
    Ein Beispiel: Wenn du deinem Hund einen Handstand beibringen möchtest, fängst du z. B. damit an, deinem Hund das Rückwärtsgehen beizubringen, damit er in einem nächsten Schritt rückwärts in Richtung einer Wand läuft. Da kann es dann zufällig passieren, dass er eine Pfote an die Wand bringt und so weiter.
    Das Shapen ist eine Trainingsart, in der sowohl Halter als auch Hund Übung brauchen. Deshalb fange dabei klein an und steigere dich langsam, damit kein Frust aufkommt. Was es noch dabei zu beachten gibt, erzählt Miriam im Interview.

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Das erste Interview mit Miriam, der Hundephilosophin

Wenn du das erste Interview mit uns beiden noch nicht gehört hast, lege ich dir das wärmstens ans Herz. Darin sprechen wir unter anderem darüber, wie modernes Hundetraining Hunde mit Angstverhalten und Aggressionsverhalten helfen kann, ein stressfreieres Leben zu führen. Und dass es ein Mythos ist, der sich hartnäckig hält, dass traditionelles oder balanciertes Training mit Korrekturen und Bestrafung schneller und besser funktioniert als modernes, tiergerechtes Training ohne Korrektur und Druck und mit positiver Verstärkung.

Operante Konditionierung

Wenn du mehr über operante Konditionierung erfahren möchtest, empfehle ich dir meine fünfte Folge. In dieser erkläre ich, wie operante Konditionierung funktioniert und wie ich sie am Beispiel der Gewöhnung an eine Transportbox einsetzen würde.

Deine Fragen und Erfahrungen

Hast du mit dem Thema dieser Folge schon Erfahrungen gesammelt? Oder hast du noch Fragen an mich und die Hundephilosophin?

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