Ein schwarz-weiß gefleckter Hund, der mit gerunzeltem Nasenrücken und gebleckten Zähnen mit fixierendem Blick in die Kamera schaut

Wie ich dazu kam, einen Artikel über „meinem Hund das Schnappen abgewöhnen“ schreiben zu wollen und zu können, ist Inhalt dieses Blogartikels. Ich mische hier also unsere persönliche Erfahrung mit professionellem Wissen zum Thema.

Das Schnappen war der Anfang einer gemeinsamen Reise

Als meine Hündin das erste Mal nach mir geschnappt hat, war ich wütend, verwirrt und enttäuscht zugleich. Wütend, weil sie doch nicht das gemacht hat, was ich wollte, nämlich von der Wohungstür weggehen, vor der sie bellte und ich sie verscheuchen wollte. Verwirrt, weil ich nicht verstanden hatte, warum sie geschnappt hatte. Enttäuscht, weil sie wohl doch nicht der tolle und nette Hund war, für den ich sie immer gehalten hatte.

Um ein wenig vorweg zu greifen: Es war nicht das letzte Mal, dass sie nach mir schnappte und das erste Mal hat mich auch noch nicht dazu gebracht, zu überdenken, wie ich mit meinem Hund umgehen sollte. Auf lange Sicht gesehen hat ihr Verhalten (das völlig nachvollziehbar und verständlich war – in allen Situationen, in denen es passiert ist) mich dazu gebracht, mich mit der hündischen Kommunikation zu beschäftigen. Und ich hab sooooo viel gelernt seitdem. Wie es mir damals ging, was unsere Herausforderungen waren und wie ich losgelaufen bin, diese zu lösen, darüber habe ich mal eine Solofolge im Podcast gemacht.

Meine Aha-Erlebnisse und das Wissen, was ich gelernt habe, möchte ich mit dir teilen

Und genau davon möchte ich dir heute etwas mitgeben und dir wertvolle Ressourcen, wie Bücher, Videos, Podcastfolgen und Foren zeigen, die dir noch weiterhelfen können.

Schnappen ist normale hündische Kommunikation

Zuerst einmal: Dein Hund und auch meine Hündin Annie sind beide ganz normale Hunde – zumindest wenn man sie danach beurteilt, dass sie nach einem Menschen geschnappt haben. Denn dieses Verhalten ist ein ganz normales, hündisches Verhalten und gehört zum aggressiven Verhalten bei Hunden. Lass dich von diesem Adjektiv nicht verunsichern!

Definition von Aggression

Aggression definiert z. B. Spektrum als „gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichtetes Austeilen schädigender Reize“. Dabei wird Aggression klar als Verhalten gegenüber aggressiven Motiven und einem aggressivenaffinen Affekt (wie z. B. Wut, Ärger, Haß) abgegrenzt. Wenn dich die genaue Definition interessiert, lies hier nach.

Dass Aggression ein Verhalten und kein Wesenzug ist, ist eine gute Nachricht

Auch wenn dir das vielleicht jetzt noch nicht gelingt, es so zu sehen: Dass Aggression ein Verhalten ist und nicht ein Wesenszug von deinem Hund, ist eine gute Nachricht. Denn Verhalten können wir ändern. Deshalb verwende ich auch nicht den Begriff des aggressiven Hundes, sondern differenziere in „Hund mit aggressivem Verhalten“. Denn dein Hund ist nicht immer aggressiv, sondern zeigt nur in bestimmten Situationen aggressives Verhalten.

Aggression ist also ein Mittel der Kommunkation des Hundes und wird meist dann von Hunden verwendet, wenn Imponier- und Drohverhalten nicht funktioniert. Es ist dann für den Hund normal, Aggression zu zeigen.

Im Onlineseminar „Aggressionsverhalten und der Umgang damit“ spricht die Hundephilosophin, Miriam Arndt-Gabriel, noch detallierter über dieses Thema. Diesen Kurs habe ich damals auch gemacht und er hat mein Leben mit Annie, meiner Hündin, komplett verändert (und das ist kein schnulziger Werbespruch von mir!).

Beißgrade nach O’Heare

Eine zweite wichtige Definition möchte ich auch mit dir teilen. In der Überschrift zu diesem Artikel habe ich ja geschrieben, dass es darum geht, meinem Hund das Schnappen abzugewöhnen. Dazu wollen wir jetzt einmal hinschauen, was Schnappen und was Beißen ist. Den diese Unterscheidung ist wichtig für das kommende Training und die Einschätzung, wie gefährlich der Umgang mit deinem Hund ist. Das hat Auswirkungen auf Managementmaßnahmen, die du ergreifen musst. Bisse aus dem Beißgrad 5 werden als gefährlich eingestuft, wobei es auch noch weitere Aspekte geben kann, die die Gefährlichkeit eines Bisses beeinflussen.

  1. Beißgrad:

    gegen den Menschen: Knurren, Bellen, Zähne zeigen, Fixieren, Schnappen – kein Beißkontakt

    gegen einen Hund: Knurren bis Schnappen, Beißkontakt möglich (Schlappohr)

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: Streiten, Drohen

  2. Beißgrad:

    gegen den Menschen: einzelner leichter Biss, keine Blutung, Kratzer oder blauer Fleck bis länglichem Riss

    gegen einen Hund: einzelner leichter Biss

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: Stoßen, Schubsen

  3. Beißgrad:

    gegen den Menschen: einzelner Biss, ein bis vier Bissverletzungen, höchstens halb so tief wie ein Hundezahn

    gegen einen Hund: einzelner Biss in Rücken, Kopf, Hals, ein bis vier Bissverletzungen, höchstens halb so tief wie ein Hundezahn

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: körperlicher Angriff, Schlag

  4. Beißgrad:

    gegen den Menschen: mehrfacher oder einzelner Biss mit Verletzungen, die tiefer sind als die Länge eines halben Hundezahns, Beuteschütteln

    gegen einen Hund: mehrfacher oder einzelner Biss mit Verletzungen, die tiefer sind als die Länge eines halben Hundezahns oder Bisse in Füße, Beine, Bauch (Tabuzonen)

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: Angriff mit Körperverletzung

  5. Beißgrad:

    gegen den Menschen: mehrfache Bisse mit Verletzungen, die tiefer sind als die Länge
    eines halben Hundezahns, Beuteschütteln, schwere Verletzungen

    gegen einen Hund: mehrfache Bisse, (schwere) Verletzungen

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: Angriff mit schwerer Körperverletzung

  6. Beißgrad:

    gegen einen Menschen: Todesfall

     gegen einen Hund: Todesfall

    Vergleich mit menschlichem Verhalten: Angriff mit schwerer Körperverletzung und Todesfolge

Wenn dich das näher interessiert und du darüber mehr lesen möchtest, wie du das aggressive Verhalten deines Hundes einschätzen kannst, dann empfehle ich dir das Buch „Vorsicht, bissig!“ von Kellie Snider. Ich habe es auch gelesen und vieles dabei gelernt. Es hat mir eine Perspektive auf das Verhalten von Annie gegeben, die mir sehr geholfen hat. Ich fand es sehr gut lesbar und gut verständlich.

Verhalten können wir ändern – und zwar auf freundliche und gewaltfreie Art

Das Buch von Kellie Snider hab ich dir ja schon empfohlen. Ihr CAT-Training ist eine Methode, mit deinem Hund zu trainieren, sodass das aggressive Verhalten weniger wird.

Auch der Onlinekurs der Hundephilsophin ist da eine gute Adresse, um einen Überblick zu bekommen, wie ein passendes Training von aggressivem Verhalten aussehen kann. Es gibt da nämlich viele unterschiedliche Möglichkeiten und Herangehensweisen. Darüber sprechen Miriam und ich auch in einer Podcastfolge. Wenn du möchtest, höre sie dir hier an. Aus der Folge wirst du auch ganz viel mitnehmen können – das versprech ich dir!

Was vor dem Training und nach dem Schlaumachen kommt

Weißer langhaariger Hund, der von einer Tierärztin festgehalten wird und dabei in die Kamera schaut

Bevor du motiviert und erleichtert ins Training mit einem/einer passenden/m Trainer:in startest (wie du eine solche Person finden kannst, beschreibe ich im letzten Abschnitt), steht noch ein gründlicher Gesundheitscheck für deinen Hund an.

Denn viele Probleme mit aggressivem Verhalten lassen sich auf gesundheitliche Probleme, meist im orthopädischen Feld zurückführen. Diese Probleme müssen erstmal behoben oder schmerzmedikamentös eingestellt werden, bevor das Training überhaupt fruchten kann.

Dabei empfehle ich dir aus persönlicher Erfahrung und als ausgebildete Tierphysiotherapeutin als Erstes den Gang zu einer/einem guten Tiermediziner:in. Am besten hat diese Person eine Weiterbildung in einem oder beiden der Bereiche „Orthopädie“ und „Verhaltensmedizin“. Der gesundheitlichen Ursache auf den Grund zu gehen, erfordert von dir Durchhaltevermögen. Achte auch bei der Behandlung darauf, dass dein Hund nicht übermäßig gestresst wird von dem Besuch in der tierärztlichen Praxis. Wie du ihn oder sie da unterstützen kannst, kannst du hier nachlesen.

Wo Annie und ich jetzt stehen

Anderthalb Jahre, nachdem ich den Onlinekurs von Miriam quasi inhaliert habe (mein Partner musste mehrere Stunden allein im Urlaub klarkommen, weil ich so in den Bann gezogen war), haben Annie und ich jetzt eine ganz andere Art und Weise miteinander umzugehen. Ich fokussiere mich vollständig auf den dialogorientierten Umgang mit ihr (was ich damit meine, kannst du zum Beispiel hier nachlesen). Ich habe verstanden, dass ich sehr einschüchternd und bedrohlich in den Situationen, in denen sie geschnappt hat, auf sie gewirkt habe. Ich habe außerdem mein Blick dafür geschult, ihre Körpersprache viel besser und genauer wahrzunehmen. So ist unsere Kommunikation viel feiner geworden und es kommt gar nicht mehr zum Schnappen, weil ich schon auf die Signale, die sie mir vorher zeigt (wie z. B. Knurren, Zähne fletschen, zur Seite gucken, Blinzeln etc.) , eingehe und ihr mehr Raum gebe. Zum Thema Körpersprache gibt es bald im Podcast auch zwei spannende Folgen, die ich dir hier verlinken werde. Außerdem gibt es für dieses Thema das wunderbare Angebot von Sprich Hund!.

Das hab ich gelesen

Ich hab außerdem noch weitere Bücher gelesen, wie z. B. „Stressfrei über alle Hürden“ von Leslie McDevitt, „Hilfe, es klingelt!“ von Sabine Reichel und „Das Aggressionsverhalten des Hundes“ von James O’Heare.

Eine gut gefüllte Bücherwand

Ein:e Trainer:in – ohne geht’s in diesem Fall nicht!

Und was mir wirklich am meisten weitergeholfen hat, war mir eine:n passende:n Trainer:in zu suchen. Das geht am besten mit der Trainer:innen-Suche von Trainieren statt Dominieren. Da gibt es dank Corona mittlerweile bei fast allen auch die Möglichkeit ein Onlinetraining zu machen. Für das Thema des aggressiven Verhaltens ein super Pluspunkt – du kannst eine:n Trainer:in von überall haben und es braucht kein fremder Mensch zu euch nach Hause zu kommen. Was will frau oder man mehr!

Hast du noch Fragen?

Dann schreib mir gern eine Mail oder einen Kommentar hier unter den Beitrag.

*Alle Links in diesem Blogbeitrag sind keine Werbung, sondern Empfehlungen. Weder ich persönlich noch Team Tier erhält dafür finanzielle Vorteile.

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