Dein Pferd hat Angst vor Schermaschine oder Sprühflasche?

Ein braunes Pferd mit schmaler Blesse auf der Schnauze gähnt, sodass man die Vorderzähne sehen kann

Dass ein Pferd Angst vor der Schermaschine oder der Sprühflasche hat, ist ein Problem, was mehr Pferdemenschen haben, als du denkst. Du bist damit also erstmal nicht alleine. Und es gibt eine weitere gute Nachricht: Es gibt einen Weg dieses Problem zu lösen und deinem Pferd die Angst zu nehmen. Den Weg, den wir hier beschreiben, erfordert wahrscheinlich ein Umdenken deinerseits, wird dafür aber dein Leben mit deinem Pferd unbeschwerter machen.

Der dialogorientierter Ansatz im Training mit Pferden

Immer mehr Menschen lernen darüber und für die Pferde ist es allemal besser: Alles, was du deinem Pferd beibringen möchtest, kannst du auch mit einem dialogorientiertem Ansatz im Training erreichen.

Eine Frau im weißen Kleid mit einem Blumenkranz schmiegt sich lächelnd an den Hals eines großen braunen Pferdes. Beide stehen vor einem waldbewachsenen Hang, den man unscharf in der Ferne sieht.

Was wir unter dem dialogorientierten Ansatz verstehen?

Vom dialogorientierten Ansatz sprechen wir von Team Tier dann, wenn es im Umgang mit deinem Tier darum geht, eine Kommunikation zwischen euch aufzubauen. Das bedeutet zu verstehen, dass wenn dein Tier auf etwas, das du von ihm möchtest, nicht richtig oder vielleicht auch gar nicht reagiert, es dann zu schwer für dein Tier war, deiner Aufforderung zu folgen. Z. B. weil es nicht verstehen konnte, was du von ihm wolltest, weil es das noch nicht oder nicht gut genug gelernt hat oder weil die Ablenkungen, denen dein Tier begegnet (wie z. B. ein lauter Trecker oder ein Freund, der sich von der Weide entfernt), zu krass sind und seine Aufmerksamkeit fesselt.

Unsere Konsequenz daraus ist dann die Umwelt anders zu gestalten oder nochmal einen Schritt zurückzugehen und etwas einfacheres zu verlangen oder auch einfach damit erstmal zu leben, dass das gerade nicht klappt. Immer ohne den Einsatz von Gewalt oder Einschüchterung.

Diesen Ansatz nutzen wir immer, wenn wir mit unserem Tier umgehen und beschränken ihn nicht nur auf Trainingszeiten.

Medical Training ist eine spezielle Anwendung dieses dialogorientierten Ansatzes

…und damit für euch gut geeignet, die Angst deines Pferdes vor der Schermaschine zu beheben

Und genau passend für deine Herausforderung, deinem Pferd die Angst vor der Schermaschine oder der Sprühflasche zu nehmen.

Mithilfe von Medical Training können wir Menschen dem Pferd klar machen, was genau wir von ihm wollen und unser Zusammenleben darauf fußen, dass das Pferd freiwillig mit uns kooperiert, ohne dass wir Gewalt, Einschüchterung oder Druck ausüben müssen. Das gilt auch für Situationen wie die tierärztliche Behandlung, den Besuch von Hufschmied:in oder die Körperpflege (Abspritzen, Bürsten, Zahnkontrolle etc.).

Im Medical Training gibt es dazu ein paar Werkzeuge, die wir benutzen können:

  • das Kooperationsverhalten:
    darunter verstehen wir ein Verhalten, an dem wir ablesen können, dass das Pferd bereit ist, eine Prozedur freiwillig mitzumachen
    Beispiele für diese Verhalten sind: auf einem Target (z. B. einer Gummimatte) still stehen, Stillstehen mit gesenktem Kopf, den Kopf auf etwas ablegen
  • das Startsignal:
    darunter verstehen wir ein Verhalten, dass das Pferd macht, an dem wir ablesen können, das wir mit einer Behandlung beginnen können
    Beispiele für ein solches Verhalten sind: ein Target (z. B. einen Tennisball, der auf einen Stock gesteckt ist) mit der Schnauze berühren, etwas mit dem Huf berühren

Das Wichtigste, was du über diese beiden Werkzeuge wissen musst, ist, dass du damit einen Vertrag mit deinem Pferd schließt. Wenn ihr mit diesen Werkzeugen arbeitet, hörst du immer auf, sobald dein Pferd das Kooperationsverhalten nicht mehr zeigt oder fängst mit etwas nicht an, wenn dein Pferd nicht von sich aus das Startsignal zeigt. Diesen Vertrag darfst du nicht brechen, sonst geht das Vertrauen deines Pferdes in dieses System verloren.

Wenn es zu einer Situation kommt, in der du Dinge machen musst und dein Pferd nicht mitbestimmen kann, ob das gerade mit ihm passiert (z. B. im Notfall), sorge dafür, dass sich einige Dinge drastisch von der Situation unterscheiden, in der das Pferd sonst die Wahlmöglichkeit hat. Zieh dir z. B. etwas anderes an, trage ein anderes Parfum, nimm ein anderes Halfter, mache die Behandlung an einem anderen Ort als sonst.

Man sieht den Huf eines braunen Pferdes auf den Beinen eines Hufschmieds, der den Huf mit einer Feile bearbeitet

Das alles klingt interessant und passend für dich?

Dann gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten für dich, wie du weitermachen kannst:

Höre dir das Interview mit der Expertin in dem Bereich, Nina Steigerwald, in unserem Podcast an:

#21 – Dialogorientiertes Training mit Pferd für den Tierarztbesuch – Interview mit Nina Steigerwald

Nina Steigerwald bietet vielfältige Onlinekurse zum Medical Training an:

Hier findest du ihren kostenlosen Einsteigerkurs ins Thema.

Lies Ninas Buch zu dem Thema:

Medical Training für Pferde – Entspannt bei Tierarzt, Hufschmied & Co

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